Komitee macht Roberto Zanetti schlecht

Mit einem Inserat greift ein anonymes Komitee für Roland Fürst (CVP) Roberto Zanetti (SP) als «abgewählten Regierungsrat» an. Fürst und seine Partei wollen von nichts wissen. Zanetti reagiert gelassen.
Marco zwahlen

«Wollen wir unserem Kanton als Ständerat einen abgewählten Regierungsrat zumuten? Welches Zeichen setzen wir damit in Bern?» Mit diesem Slogan und der Empfehlung «Roland Fürst in den Ständerat!» (siehe Inserat unten) wirbt ein anonymes Komitee im Zuge der Ständeratswahlen vom 29. November gegen SP-Kandidat Roberto Zanetti und für den CVP-Mann. Zanetti war 2005 nach nur zwei Jahren im Amt als Regierungsrat abgewählt worden.

Mit der Kampagne gestern konfrontiert, sagt Fürst, den Inhalt des Inserates nicht zu kennen. «Ich habe gewusst, dass es ein Komitee geben wird, jedoch nicht, was für Aktivitäten geplant sind.» Zu Inhalt und Stil meint er, dass er grundsätzlich nichts gegen Unterstützung seiner Kandidatur haben könne. «Persönlich werde ich aber im Wahlkampf nicht auf die Mitbewerber schiessen, sondern meine Vorzüge darstellen.» Auf die Frage, ob ihm die Kampagne nicht mehr schade als nütze, antwortet Fürst: «Das ist relativ schwierig zu beurteilen.» Wer steckt hinter dem Komitee? «Ich weiss es nicht. Wir», also die Partei, «stecken nicht dahinter», so Fürst. Vielleicht wisse Parteipräsidentin Annelies Peduzzi mehr. Doch auch diese gab gestern auf Anfrage an, weder zu wissen, wer Komitee-Mitglied sei, noch den Inhalt des Inse- rates zu kennen. Dasselbe sagt auch Roland Heim. Der CVP/EVP/GLP-Fraktionschef ergänzt jedoch, dass die Partei beschlossen habe, «keine Negativ-Kampagne gegen andere zu führen».

Zanetti reagiert gelassen

Roberto Zanetti reagiert gelassen auf das Inserat. «Ich stelle mich jeder anständigen Auseinandersetzung. Bei anonymen Angriffen ist dies aber schwierig.» Er sei überzeugt, dass das Inserat schlecht ankomme, insbesondere bei den unentschlossenen Wählern. «Angriffe auf die Person werfen in der Regel ein schlechtes Licht auf die Angreifer und führen zu Solidarisierungen mit dem Angegriffenen.» Dies treffe bei anonymen Angriffen besonders zu.

Den Inhalt des Inserates kontert Zanetti damit, dass er «unter bestimmten Rahmenbedingungen» abgewählt worden sei. «Mein Resultat bei den letzten Kantonsratswahlen war aber epochal und es zeigt, dass ein grosser Teil der Wähler der Meinung ist, dass bei den Regierungsratswahlen 2005 etwas schiefgelaufen ist.» Letzten März feierte Zanetti mit 8089 Stimmen, dem deutlich besten Resultat aller Kandidaten, ein eindrückliches Comeback. Zanetti wiest auch darauf hin, dass es «ein Recht auf Verzeihung gibt». Schmunzelnd hält er fest, seinerzeit sei ja Otto Stich als Gemeindepräsdent von Dornach auch abgewählt worden. Und mit Stich habe doch der Kanton Solothurn in Bern eine ganz gute Figur gemacht.

Abgerechnet wird am Wahltag

Mit dem Inserat ist der Wahlkampf lanciert. Auch für SVP-Kandidat Roland Borer setzt sich ein «überparteiliches Komitee» ein, wobei überparteilich mehr suggeriert, als es ist. Fazit: Bei «Kopfwahlen» ist der Wahlkampf der Kandidaten in der Regel ein anderer als der ihrer Unterstützungskomitees. Letztere haben oft – mit Billigung ihres Favoriten oder dessen Partei – die Funktion, auf den politischen Gegner zu schiessen.

Im vorliegenden Fall lässt sich übrigens der Slogan ohne weiteres auch auf Fürst und Borer anwenden. Bei Fürst lautet die Frage «Wollen wir unserem Kanton als Ständerat einen Kandidaten zweiter Wahl zumuten?» Kronkandidat der CVP war ursprünglich Pirmin Bischof (Solothurn). Erst, als der Nationalrat seinen Verzicht bekannt gab, kam Fürst zum Zug. Bei Borer wiederum lautet die Frage «Wollen wir unserem Kanton als Ständerat einen ewigen Kandidaten zumuten?» Borer ist bereits viermal (1993, 1997, 2005 und 2009) erfolglos zu den Regierungsratswahlen angetreten. Solche Slogans sind aber eine Frage des Stils. Entscheidend ist, wie dieser bei den Wählern ankommt.

© Berner Rundschau / MLZ; 16.10.2009; Seite 1

Inserat

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