Peter Bichsel stellt Roberto Zanetti vor!

Roberto Zanetti ist aus Gerlafingen.
Und er ist das durch und durch, ein typischer Gerlafinger, denn seine Eltern sind als Emigranten nach Gerlafingen gekommen, um Arbeit zu finden. Sie  sind aus der Schweiz – aus dem Puschlav – in die Schweiz emigriert.
Roberto ist in zwei Welten aufgewachsen – in zwei Welten, die beide schweizerische Welten sind, und trotzdem einander fremd.
Die von Roll beherrschte damals nicht nur das Wasseramt Sie beherrschte den Kanton. Gerlafingen war seine Mitte.
Als dann, vor dreizehn Jahren, der zuständige Verwaltungsrat die Schliessung der Stahlwerke beschliessen wollte oder beschlossen hatte, wurde das von den solothurnischen Potentaten mit Bedauern zur Kenntnis genommen und akzeptiert.
Der damals junge Gemeindepräsident von Gerlafingen, Roberto Zanetti, war nicht bereit, das einfach zur Kenntnis zu nehmen. Er wusste, was das ist, Arbeit, was ein Arbeiter ist, und was ein Arbeitsplatz bedeutet. Er verhandelte und er kämpfte. Und er ging mit dem Verwaltungsratspräsidenten nicht in ein Restaurant, sondern ins Centro, dorthin, wo sich die italienischen Arbeiter trafen. Und dort beschlossen die beiden, dass da noch was zu machen sei.
Das ist kein alter Hut – die Stahlwerke gibt es noch, und es hat sie immerhin schon dreizehn Jahre länger gegeben.
Ich habe hier zwei Minuten Zeit – viel zu wenig, um die Leistungen und Qualitäten von Roberto auch nur aufzuzählen.
So beschränke ich mich auf seine Nachteile:
Roberto hat ein Handicap – er liebt die Leute. Das ist ihm auch schon zum Verhängnis geworden – eben vielleicht ein Nachteil. Ich liebe ihn für diesen Nachteil. Und wenn er von seiner heutigen Arbeit in der Perspektive erzählt, dann erzählt er von Menschen, die er als Menschen liebt und respektiert.
So wie er damals auch im Verwaltungsratspräsidenten Jeker nicht einen Bonzen sah, sondern den Menschen entdeckte, und sich mit diesem Menschen verständigte.
Roberto hatte, in was für einer politischen Umgebung er auch immer war, Freunde in allen Fraktionen, auch Freunde unter seinen politischen Feinden. Ich gestehe, dass ich da ab und zu meine Bedenken hatte. Aber Roberto kann sich das leisten, weil er sich seiner politischen Ueberzeugung sicher ist. Und er kann nicht anders, weil er die Leute liebt.

Peter Bichsel                   Vorstellung Zanetti Kofmehl Okt. 09

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