«Es ist unvorstellbar, dass einer der SVP an Stelle Aschi Leuenbergers den Ständeratssitz belegt»

Alex Capus als neuer Frontmann und eine frisch bestückte Geschäftsleitung: Die Sozialdemokraten der Stadt Olten versprühen wieder Optimismus.
URS HUBER

olten

Die Stimmung unter den rund 40 anwesenden Genossinnen und Genossen war heiter. Und das lag nicht ausschliesslich an der Präsenz des Schweizer  Fernsehens. Aber auch. Denn mit Schriftsteller Alex Capus sollte ein neuer Präsident auf den Parteischild der städtischen Sozialdemokratie gehievt werden. Was dann auch geschah – und zwar einstimmig. «Ich habe das Amt nicht gesucht», meinte Capus noch wenige Sekunden vor seiner Wahl und fügte hinzu: «Wenns jetzt noch jemand an meiner Stelle machen will; ic

h hätte damit kein Problem.» Nix da. Ohne Gegenstimme und unter laufender Kamera wählten die  Sozialdemokraten den Literaten zum neuen Vorsitzenden, nachdem Daniel Schneider als Mitglied der Findungskommission das im Vorfeld aufgestellte Anforderungsprofil erläuterte: Handlungsfähig, (medien)gewandt, integrativ müsse der Kandidierende sein. Im Fokus habe erst jemand aus dem  Gemeindeparlament gestanden. Aber Capus bringe eine breite Palette an Fähigkeiten mit. Das habe er mit der angefachten und weiter entwickelten Diskussion etwa um Olten SüdWest mehr als bewiesen, meinte Schneider.

Offen und direkt
Dass er sich die Partei künftig frontaler, kämpferischer und weniger angepasst vorstellt, daraus machte Capus keinen Hehl. «Es wird keine Versteckspiele mehr geben», so der für seine Direktheit bekannte Literat nach der Wahl. Aber: «Ich bin kein Diktator; ich werde gerne mitarbeiten und brauche eine konstruktive Umgebung und eine angeregte Gesprächskultur», umschrieb er im weiteren seinen Führungsstil. Er sprach der Versammlung aus dem Herzen. Die Schlappe der zurückliegenden Stadtratswahlen war damit endgültig überwunden. Den  erfreulichen Abend komplettierte Ständeratskandidat Roberto Zanetti, dessen Sympathiewert in Parteikreisen ungebrochen sche

int. «Es ist unvorstellbar, dass einer der SVP an Stelle Aschi Leuenbergers den Ständeratssitz belegt», begann er seinen kleinen Heimspiel-Wahlkampf mit dem ihm auf den Leib geschriebenen Hang zur Dramatik. Für den CVP-Vertreter sah er im Stöckli-Behauptungskampf auch schwarz. «Der würde von den dortigen CVPHerren erdrückt», so Zanetti. Seit bald 40 Jahren als SP-Vertreter unterwegs, sei seine Programmatik nicht die eines Hardliners, aber unzweifelhaft sozialdemokratisch. «Ich liebe die Debatte, darum ist mit die kleine Kammer im Gegensatz zum Nationalrat wesentlich sympathischer », so der Kandidat. Der Politfuchs rechnet mit einem zweiten Wahlgang und hofft dann – Mitte/Ende Januar 2010 – auf einen erfolgreichen Abschluss des Wahlkampfes. «Ich erhalte viele gute Rückmeldungen», so Zanetti, dessen Vorbereitungen, nach eigener Wahrnehmung, gut laufen und dazu beitragen werden, dass die langjährige Stöcklitradition im Kanton (SP und FdP je ein Sitz) fortdauern wird.

Laudatio für Rita Lanz
Schliesslich wurde mit Rita Lanz auch die Vorgängerin Capus’ verabschiedet. Laudator Clemens Ackermann beschrieb Rita Lanz als eine, welche «die SP Olten mit Herzblut geführt» habe. Sie gehöre zu jenen Historikerinnen die Menschen gerne mögen. «Aber nicht etwa solche, die schon möglichst lange tot sind», wie der Laudator treffend betonte. Eine gerührte Rita Lanz liess dann die Versammlung wissen, der SP weiterhin die Treue zu halten und aktiv am Parteileben mitzuwirken. Aber erst mal werde das Büro einigermassen entrümpelt, verriet die scheidende Präsidentin, welche das Amt 2006 in Zusammenarbeit mit Dieter Ulrich übernommen hatte und seit Sommer diesen Jahres der Partei alleine vorstand.

Oltner Tagblatt, 6. November 2009, Seite 25

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