Die Kandidaten über sich selbst…

Borer, Fürst und Zanetti über sich selbst im Oltner Tagblatt vom 21. November 2009

«Meine Trümpfe» Warum sollten die Solothurner Sie als neuen Ständerat wählen?
Roland Fürst:
Dem Kanton Solothurn geht es nicht gut, jetzt ist wirtschaftliche Kompetenz gefragt in Bern. Diese vertrete ich schon von meiner beruflichen Voraussetzung her. Zudem ist es Zeit für meine Generation, dass sie Verantwortung übernimmt und in Bern vertreten ist.
Roland Borer:
Ich habe mittlerweile 18 Jahre Erfahrung in Bern. Ich habe ein Netzwerk, und diese Beziehungen könnten dem Kanton Solothurn wirtschaftlich und in andern Bereichen einiges bringen.
Roberto Zanetti:
Ich habe jahrzehntelange Erfahrung in Kanton, Gemeinde und Bund. Ich bin stark in Gremien, in denen man gemeinsam nach Lösungen sucht. Die Arbeit im Ständerat beurteile ich als sehr lösungsorientiert, was mir zusagt.

«So hab ichs mit den Freisinnigen» Sie alle müssen um die Freisinnigen werben. Wo haben Sie Gemeinsamkeiten, wo Differenzen mit der FdP?
Roland Borer: Ich habe bewiesen, dass ich mit Rolf Büttiker zusammenspannen konnte, wenn es darum ging, gemeinsam etwas für den Kanton Solothurn zu erreichen. Ich denke an unseren Vorstoss im National- und im Ständerat für die Ökobilanz des Verkehrs im Transitkanton Solothurn. Mit der FdP hatte ich nie Berührungsängste, den letzten Tatbeweis habe ich bei den Bundesratswahlen erbracht. In vielen politischen Bereichen kann ich gut mit der FdP zusammenspannen. Differenzen bestehen primär im gesellschaftspolitischen Bereich.
Roberto Zanetti:
In meinem 10 Jahren im Gemeinderat Gerlafingen konnte ich nichts erreichen, ohne insbesondere mit der FdP zusammen Lösungen zu finden. In gesellschaftspolitischen Fragen habe ich manchmal das Gefühl, ich vertrete eigentlich das gesellschaftsliberale Erbe des Freisinns, das ich heute manchmal etwas vermisse. Darum glaube ich, der gesellschaftsliberale Teil der FdP wäre mit mir gar nicht so schlecht vertreten. Das zeigen auch meine Wahlergebnisse, bei denen ich immer massiv freisinnigen Sukkurs erhielt. Nicht geteilt habe ich den finanzpolitischen Rigorismus, den gewisse FdPExponenten pflegen. Immerhin konnte ich vier Jahre lang mit dem freisinnigen Finanzdirektor im Kanton eine sehr gute Finanzpolitik machen.
Roland Fürst:
In meinen 14 Jahren als Gemeindepräsident gab es kein Geschäft, das ich an der Gemeindeversammlung nicht durchgebracht hätte. Das zeigt, dass der parteiübergreifende Gedanke bei mir gross geschrieben ist. FdP und CVP bezeichne ich als Mitteparteien; von der etwas weiter links stehenden bin ich am rechten Ende und dadurch sehr nahe bei der FdP. Seit Bestehen der Solothurner Handelskammer 1874 gehörte der Direktor immer zur FdP, bis ich vor dreieinhalb Jahren das Amt erhielt. Dadurch habe ich enge Beziehungen in die FdP und in Wirtschaftskreise, die eher FdP-geprägt sind.

«Da denke ich anders» Gibt es Punkte, in denen sich Ihre Haltung von der Mehrheitsmeinung in Ihrer Partei unterscheidet?
Roland Borer:
Am ehesten im Bereich der Gesellschaftspolitik. Dort gibt es in der SVP konservativere Auffassungen als das im liberalen, weltoffenen Kanton Solothurn der Fall ist. Da bin ich eher der Solothurner als der «KK-Vertreter» aus der Innerschweiz. Zum Beispiel in der Familienpolitik bin ich gegenüber neuen Formen des Zusammenlebens wohl liberaler als jemand, der nur eine Form anerkennt: Vater, Mutter und viele Kinder.
Roland Fürst:
In der CVP ist die Spanne der Meinungen relativ breit, vieles ist möglich. Von den übrigen Parteimitgliedern unterscheide ich mich persönlich wohl am meisten in der Finanzpolitik: Dort bin ich der Meinung, dass man restriktiver zu den Finanzen schauen sollte, damit unsere Staatsverschuldung nicht noch grösser wird.
Roberto Zanetti:
Einen Unterschied gibt es vielleicht darin, dass viele glauben, das Programm sei das Endziel, Abweichungen davon seien des Teufels. Ich verstehe das Parteiprogramm eher als Startpunkt für den politischen Prozess, als Verhandlungsbasis, von der man ausgeht, um dann mit Kompromissen Lösungen zu finden. In der Finanzpolitik geht es mir ähnlich wie Roland Fürst: Als Gemeindepräsident habe ich eine Sensibilität dafür entwickelt, dass die Mittel nicht unbeschränkt sind. Im Unterscheiden des Wünschbaren vom Möglichen bin ich etwas rigider als manche meiner Parteikollegen.

«Das ist ein Vorbild» Wer ist Ihr politisches Vorbild?
Roberto Zanetti:
Willy Brandt. Das war eine der wenigen Trauerfeiern, die ich am Fernsehen verfolgt habe und auch mitschluchzen musste. Willy Brandt war für mich wirklich eine Figur.
Roland Fürst: Für mich ist jemand ein Vorbild, der volksnah ist, die Anliegen des Volkes erkennt und sich dafür einsetzt. Der für die Menschen etwas erreichen will und Politik nicht als Selbstdarstellungsplattform benutzt. Da könnte ich Willi Ritschard, Ernst Leuenberger, Rosemarie Simmen und Christian Wanner nennen.
Roland Borer:
Für mich muss ein Vorbild ein Staatsmann sein. Ich nenne zwei: Winston Churchill und Helmut Schmidt. Beide wagten in schwieriger Zeit, ihre Meinung durchzuziehen, ohne Rücksicht darauf, ob sie davon persönlich einen Gewinn oder Verlust hatten. Churchill war Kriegspremier und musste sehr schwierige Entscheide treffen. Vor Helmut Schmidt ziehe ich den Hut, wie er das Problem des Terrorismus anging und das Interesse des Staates über eigene Interessen bei Wahlen stellte. Das war grandios.

«Darum ging ich in die Politik» Was hat Sie seinerzeit bewogen, in die Politik einzusteigen?
Roberto Zanetti: Ich wollte die Welt verbessern! Mit 17 war ich an einem jugendpolitischen Seminar auf dem Balmberg, wo Kantonalparteipräsident Willi Ritschard Reden hielt, dass die Wände zitterten. Später erlebte ich die Parolenfassung der SP Gerlafingen für die Waffenausfuhrverbotsinitiative 1972. Fast alle an der Versammlung waren Büezer in der Von Roll, wo damals noch Kanonenrohre geschmiedet wurden. Trotzdem fassten sie die Ja-Parole, was mich unglaublich mutig und tapfer dünkte. So trat ich in die SP ein.
Roland Fürst:
Ich bin ein Fan unseres demokratischen Systems. Wir haben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten und müssen etwas beitragen zum Dienst an der Öffentlichkeit. Das habe ich frühzeitig angepackt. Als ich anfing, war ich mit 32 der jüngste Gemeindepräsident im Kanton.
Roland Borer:
Als Mandatsträger bin ich ein Spätberufener. Mein erstes Mandat erhielt ich mit 38 als Kantonsrat, mit 40 wurde ich Nationalrat. Vorher beschränkte sich meine politische Tätigkeit auf die regelmässige Teilnahme an Wahlen und Abstimmungen. Bei Diskussionen äusserte ich manchmal eine kritische Haltung, worauf es hiess: «Dann machs doch besser.» Das war der Auslöser, dass ich mich für die Autopartei aufstellen liess.

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