WS12: Agrarpolitik 2014-2017

Zanetti Roberto (S, SO): Wir sprechen hier über Direktzahlungsoptimierungen. Die Bauern und Bäuerinnen sind ja nicht bloss „Direktzahlungsoptimierer“, sie produzieren auch noch etwas, das auf den Märkten verkauft wird. Wenn wir jetzt falsche Anreize setzen, wenn es zu einer Überproduktion kommt und dadurch die Preise zusammenbrechen, dann kann ihr Gesamteinkommen tatsächlich zusammenbrechen. Dann kann ihr Gesamteinkommen trotz Direktzahlungsoptimierung tiefer ausfallen, als wenn die Variante des Bundesrates zum Tragen kommt. Entsprechende Berechnungen sind uns dargelegt worden, und ich glaube den Fachleuten des Bundesamtes. Deshalb bin ich tatsächlich der Meinung, dass der Variante der Minderheit II, des Bundesrates, des Nationalrates gefolgt werden muss, und zwar aus strategischen Gründen, damit diese Kehrtwende in der Agrarpolitik stattfindet, aber auch damit das Sektoreinkommen garantiert und allenfalls sogar angehoben wird.Immerhin noch folgende Ergänzung: Es geht nicht darum, dass das Land dann vergandet, es ist ja ein Mindestbesatz definiert. Ich bitte Sie deshalb, der Minderheit II (Schmid Martin), dem Nationalrat und dem Bundesrat zu folgen.

Zanetti Roberto (S, SO): Die ganze Hörnergeschichte, das gebe ich zu, ist ursprünglich so ein bisschen aus Nostalgie in die Debatte gekommen. Ich bin nämlich, wie Frau Kollegin Keller-Sutter in der Eintretensdebatte gesagt hat, auch genetisch nahe beim Bauernstand. Als Junge war ich jeweils auf einem Maiensäss mit Braunvieh – selbstverständlich mit Hörnern. Dann war nebst dem Nostalgieaspekt auch durchaus ein Ästhetikaspekt. Ich finde Kühe mit Hörnern schöner, das ist einfach so. Wie bei einem Kamel ohne Buckel, einer Giraffe mit kurzem Hals, einem Elefant ohne Rüssel – etwas fehlt einfach an diesen enthornten Kühen.
Dann habe ich mich mit der ganzen Sache ein bisschen näher auseinandergesetzt, und ich muss Ihnen sagen, jetzt ist es nicht mehr nur Nostalgie und Ästhetik, jetzt ist es für mich auch ein bisschen zu einer Herzensangelegenheit geworden. Kollege Bieri ist ein begnadeter Tierzuchtexperte, da kann ich ihm nicht das Wasser reichen. Aber da muss man nicht Tierzuchtexperte sein. Ich habe vor Kurzem ein frisch enthorntes Kalb gesehen. Das hatte zwei fünflibergrosse schwarze Löcher im Schädel. Es kann mir niemand sagen, dass das mit Tierwohl zu tun hat. Da muss man, wie gesagt, kein Viehexperte sein, da muss man einfach ein Herz für diese Viecher haben.
In Artikel 104 Absatz 3 Buchstabe b der Bundesverfassung heisst es: „Er“ – der Bund – „fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind.“ Ich muss Ihnen einfach sagen: Es gibt zweifellos Vernunftgründe, Tiere zu enthornen, aber besonders tierfreundlich ist es nicht. Genau das soll entschädigt werden. Wir setzen da die Verfassungsbestimmung wortwörtlich um, ohne dass irgendjemandem etwas befohlen wird. Die Enthornerei wird nicht verboten, es wird niemand gezwungen, nicht zu enthornen, sondern es wird einfach festgestellt: Wenn einer bereit ist, diese Viecher im Ursprungszustand zu belassen, nämlich so, wie sie der Herrgott geschaffen hat, der soll entschädigt werden für zusätzliche Risiken, für zusätzlichen Platzbedarf und nicht zuletzt auch für zusätzliche Marketingbemühungen im Dienste unserer Landwirtschaft und unserer Milchprodukte. Schauen Sie sich mal die Milchreklamen an. Da sind alles behornte Kühe. Und dann, das sage ich jetzt als Bündner, stellen Sie sich das Wappentier der Bündner oder der Urner enthornt vor. Das macht wirklich einen kümmerlichen Eindruck. Es sieht aus wie irgendein schlecht geklonter Hund. Deshalb bitte ich Sie, spielen Sie nicht denen in die Hand, die dem Herrgott ins Handwerk pfuschen, sondern helfen Sie denjenigen Bäuerinnen und Bauern, die die Tiere so belassen, wie sie eben geschaffen worden sind. Geben Sie Ihrem Herz einen Schubs und prämieren Sie behornte Kühe mit etwas mehr Direktzahlungen, dann werden Sie zweifellos dem Ansehen und der Tierfreundlichkeit der schweizerischen Landwirtschaft einen grossen Dienst erweisen.

 

Zanetti Roberto (S, SO): Ich wollte eigentlich auf das traumatische Wandererlebnis von Peter Föhn reagieren. Offenbar hat es nichts mit den Landschaftsqualitätsbeiträgen zu tun, sonst wäre das ja nicht in der Vergangenheit passiert. Er hat erwähnt, dass unsere Bauern es mit der Landschaft gut machen; da hat er Recht. Eigentlich geht es bei den Landschaftsqualitätsbeiträgen darum, denjenigen, die es eben nicht bloss gut, sondern sehr gut machen, eine Entschädigung zukommen zu lassen. Ich finde, das ist nichts als anständig. Wenn Leute eine Leistung zugunsten der Allgemeinheit erbringen, darf die Allgemeinheit diese auch entschädigen.  Deshalb bitte ich Sie, mit der Kommission und gegen den Antrag Eberle zu stimmen.

 

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